Kasachstan: da ist sie endlich - die Weite. Bis zum Horizont „nichts“.

Wir rollern bis Beneu. Hier suchen wir uns eine Bleibe für mehr als eine Nacht mit angeschlossenem Hof um die Mopeds warten zu können(ÖW und Ventile etc.).

Auch die Noppenreifen kommen jetzt zum Einsatz.

Pünktlich zur Testfahrt nach Süden gibt der Benzinsack auf. Gut gedacht-schön mitgeschleppt - ging voll daneben: Nachdem wir ihn mit 20 Litern befüllt hatten brach der Hals ab -sein Ende. Schweizer Armeesack...

Schnell auf den Markt, einen 20 Liter Kanister gekauft und umgefüllt.

Ich bin derjenige, der das Ding jetzt an der blödesten Stelle auf dem Heckträger -Sperrig und schwappend - rum karrt. Der Sack hätte sich wesentlich schwerpunktgünstiger angeformt. Die Enduro fasst eben nur 18 Liter. Unsere Adventures 28 und meine noch 6 Liter im Hecktank. Ausserdem haben wir noch einen Ortlieb Wassersack als Benzinsack „missbraucht“.

(Unbedingt sollte man ihn als Benzinsack kennzeichnen!) Er dünstet etwas aus,und alles was mit ihm in Kontakt kommt riecht einige Zeit lang nach Benzin, hält aber dicht (auch dauerhaft), ist robust und löst sich nicht auf.

Die Nacht vor der Steppendurchquerung nach Bozoy geht ein Gewitter von unglaublichem Ausmass nieder. Es Blitzt ohne Pause -wirklich o h n e Pause! Fast wie ein Dauerleuchten erhellt das Unwetter eine Stunde lang die Nacht und schüttet unmengen Wasser auf die Erde.

Aber wir können nicht mehr warten/verschieben. Die Zeit sitzt uns sowieso im Nacken.
Am nächsten Morgen rollen wir los.

Schon der Einstieg auf die Piste am Ortsanfang von Beneu ist katastrophal. Leider ist es hier eben kein reiner Sand, der den Untergrund bildet, sondern eher eine Lehm-Sand Gemisch. Und das hält eben das Wasser der letzten Tage und der Nacht.

Schön cremig-seifig das Ganze... Die Wegsuche wird enorm Zeitraubend und anstrengender als geplant. Ich denke im Video (4) bekommt man davon einen ungefähren Eindruck.


Irgendwann kommt ein langer Schotterpisten Abschnitt - uff, Erholung!

Aber nicht lange und es geht wieder von vorne los mit der Matsche. An diesem Tag fahren wir knapp 100 Km weit.

Langsam wird der Untergrund trockener - dafür kommt jetzt zunehmend ein Staubbelag hinzu, der das Fahren auf/in einer Spur Schwierig /gefährlich macht.

Dieser Staub ist wie Zementpulver - er fliesst fast wie Wasser durch die Hand. Nachdem man ihn überfahren hat „schwappt“ er sofort wieder zu einer glatten Fläche zusammen (wie Wasser eben).

Das tückische daran sind aber die darunter - von den LKWs bei Nässe erzeugten- verborgenen Rinnen und Verwerfungen! Die Spur sieht also „Aalglatt“ aus, hat aber in Wirlichkeit fiese Längsrillen, die echt kein Spass beim Fahren sind. Also suchen wir- so oft es geht unsere eigenen Spuren über die freie Fläche. Hier gibt es natürlich auch ein paar Überraschungen...

Wenn man vor sich eine Fläche sieht, die einen etwas veränderten Bewuchs und Bodenfarbe hat bedeutet das oft: Tierbau unter der Erde! Hier hilft nur sofort richtig Gas geben, damit das Vorderrad nicht wegsinkt! Unverhofft kommen manchmal LKW-Spurrinnen- manchmal bis zu einem halben Meter tief- in die Quere. Da iss nix mit Gas und drüber... es ist ja eine Doppelrinne mit genau dem Abstand ,der nun beide Räder gleichzeitig wegtauchen lässt. Das würde einen Überschlag bedeuten - hier draussen eine Katastrophe. (Am Tag sehen wir hier ca. 2-3 LKW - sonst nichts.) Also voll bremsen oder flüssig beidrehen. Bis ca. 60km/h geht das alles. Darüber wirds schon heikel, weil man die Rinnen unter dem Bewuchs zu spät sehen würde.

Als wir unseren Schlafplatz herrichte, sehen wir in der Ferne einen LKW über die Piste düsen. Er hält an und lässt jemanden aussteigen...und fährt weiter! Da steht nun jemand in der Gegend und es sieht so aus als wüsste er nicht wohin. Nach einiger Zeit kommt er zu uns. Dank Manuelas russisch klappt die Unterhaltung gut.
Er ist ein Kriegsveteran aus dem Russland-Afghanistan Krieg und hat verkrüppelte Hände und Füsse.

Damals war er 19 Jahre alt...Er ist sehr gläubig und absolviert einen tausende KM langen Marsch quer durch Kasachstan.

Wir teilen unser Wasser und Essen mit ihm und sitzen zusammen. Immer wieder sieht er in die Ferne. Er wartet auf seine Hunde, sagt er.

Der LKW hat ihn ca. 40 Km mitgenommen - nicht aber seine Hunde! Nach einer halben Stunde springt er auf und pfeift. In der Ferne sprinten seine Hunde über die Steppe auf uns zu... Wahnsinn! Die Hunde finden ihn - 40 km entfernt... Auch sie brauchen Wasser!

Später beziehen wir unsser Moskito-Gehege - unser Freund rollt sich in eine Decke auf den Steppenboden.

Am nächsten Morgen ist er weg. In der Ferne kann ich ihn noch ausmachen...weit weg. Später , nachdem wir wieder unterwegs sind sehen wir ihn nochmals in der Ferne und winken einander zu. Er hält sich an die Trasse der LKW. Wir „fliegen“ über die unberührte Steppe.


Zum Glück finden wir dann einen - und noch einen zweiten Wasserbrunnen. Das Wasser sieht gut aus. Gefiltert und desinfiziert sollte es gut sein (ist es auch).

Wir treffen auf ein Haus im Nichts mit einer hier lebenden Familie. Sie halten Kamele und Ziegen/Schafe. Eine Einladung zum Tschai nehmen wir liebend gerne an. Anschließend lernen wir das jüngste Kamel kennen, verschenken ein Taschenmesser und veraschieden uns - einmal mehr...

Die KTM wartet schon...



Endlich in Bozoy.

400 Km haben wir also hinter uns gebracht. Wenn es trocken ist -eine Fingerübung...

Hier gehen wir mal erstmal zum örtlichen „Magasin“. Schöne Sachen zum Essen einkaufen und so. Irgendwie ist die Stimmung hier nicht so recht freundlich... komisch.

Wir suchen einen Platz zum Essen. Gibts nicht- sagt man uns.

Aber es gibt eine „Kantine“ in der die Arbeiter der Region zum Mittagessen einlaufen. Auf nachfragen ist es möglich hier eine Mahlzeit zu bekommen. Auch kommen noch Arbeitstrupps, die hier etwas laut - und nicht so richtig freundlich - an den Nebentischen speisen.

Wir Essen in Wechselschicht - einer an den Mopeds und 2 beim Essen - man weiß ja nie.

Als wir alle wieder draussen sind, bemerke ich das meine Handschuhe fehlen. Ich hatte sie unter einen Spanngurt meines Gepäcks geklemmt. Ich bin sauer! Weg trotz Kontrolle! Dreist! Auf Polente haben wir keinen Bock - also anders herum: wir fragen die Frauen von der Kantine ob sie wüssten wer die Arbeiter waren und wo sie arbeiten. Erklären, das wir die Handschuhe doch bräuchten... Sie telefonieren...nach einiger Zeit sagen sie uns das die Handschuhe gebracht werden. Und 15 Minuten später kommen 2 Jungs auf einem Fahrrad um die Ecke und händigen (im Auftrag) verstohlen und wortlos die Handschuhe aus. Prinzip: sozialer Druck - hat funktioniert...



Bozoy nach Shalkar: Hier kommt der Sand! („Bachrane“) Überall sind LKW Spuren und die Streckenführung ist oft unklar. Manchmal muss ich auf eine Düne fahren, um einen Überblick zu haben, wo es weitergehen könnte. Die LKW fahren hier mit Vollgas durch. Anhalten geht nicht. Wenn die Geschwindigkeit sinkt, schnell einen Gang runter und wieder Vollgas. Das machen sie auch Nachts... Augen auf bei der Schlafplatzwahl!


Alles ist eine Piste und die LKWs fahren hier mit 80-90 km/h - wenn sie können. Stehen bleiben heisst Stecken bleiben...Sandschaufeln raus etc.

Wir verschenken unseren Kanister an eine einsam in den Dünen wohnende Familie. Irgendwann wird die Piste fester und schotterig. Shalkar hat wieder Asphalt. Der Weg von Shalkar entlang der Bahn nach Süden ist Sand. Sollte man wissen, den in manchen Karten ist er als Strasse eingezeichnet. Ein kleiner Haken nach NO und dann auf der Autobahn nach ARAL.


Apropos Autobahn: die Chinesen bauen hier eine! - besser gesagt: die Chinesen zahlen und die Koreaner bauen. Und was für eine! Tiptop mit Leitplanken und Strichen und allem.

Warum? Warentransportweg! Diese Autobahn und auch die neue Bahnstrecke sollen China mit Europa verbinden. Auch in der Mongolei entsteht derzeit solch eine Trasse - haben wir hier gehört. Tja, da kommen dann bald auch die Harleyfahrer auf ne Rundfahrt durch Kasachstan und die Mongolei in betracht...


 
TEIL 2
riding east
Kasachstan 2013
Reisebericht  riding east - 2013
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