1 mal Nordkap und zurück,bitte


Kiel: Ende Juni: Einschiffen Richtung Oslo. 
Ein kleines Grüppchen „Moppetistas“ ist auch vorhanden, Tschechen, Holländer, Deutsche und mit dabei auch Torsten und ich. Torsten auf LC8, ich auf der Hälfte...

Es wird wie eine „kleine Kreuzfahrt“ ( jetzt weiß ich auch mal was das ist ). Beim unbedarften Schlendern in der „Einkaufsstrasse“, vorbei an all den Namen der Modewelt, die inzwischen eine Uniformität jeder Fußgängerzone der Welt hervorrufen, bleibt mein Auge jedoch an einem kleinen technischem „Wunderwerk“ hängen: 
Eine High Power Led-Stirnlampe!

Und da sie mir hier im duty-free-shop zu einem gefühlten Preis feilgeboten wird, als hätte ich „sonst wo“ im Bazar schon 1 Stunde mit dem Verkäufer gefeilscht, setze ich beim Rekapitulieren meiner Reisekasse kurzerhand einen Zahlendreher, und legitimiere damit meine Kaufabsicht. Die Gerätschaft geht in meine erwartungsvolle Obhut über. Um die Sinnhaftigkeit dieses Kaufes gleich vorwegzunehmen: 
Das Lämpchen funktioniert vorzüglich...nur war mir nicht ganz klar, was das mit dem sommerlichen Tag/Nacht-Verhältnissen in diesen Breitengraden auf sich hat... Kurzum: Ich habe sie nie (!) gebraucht. Es war immer hell! Selbst in Oslo war die Nacht nie dunkel...da staunt man!
Pizzaessen liegt an! Erstmal Preise checken.... oh ganz ok - machen wir, (ich dachte Norwegen ist teuer...sieh mal einer an, haste gedacht...) Man muss zwar ein bisschen warten bis ein Platz zugewiesen wird, aber sei‘s drum. Wir haben ja Zeit! Zufällig sind unsere Tischnachbarn die holländischen Moppettkollegen . Beim Fachsimpeln erfahre ich das unsere Reifen Noppen haben! :-)) sympathisch, diese Holländer...immer wieder!! Gefällt mir ehrlich auch besser als „Stollen“ (das kenne ich ja eigentlich auch eher als verzehrfähiges Rosinenbrot).
Oslo ist toll! Keine Hektik, kein Verkehrsstress, wir nehmen erstmal 2 Nächte auf dem örtlichen Campingplatz. Allerdings nur ein Zelt...der Aderlass der Reisekasse soll nicht schon am ersten Tag beginnen! Das Wetter schwankt so zwischen bedeckt und mal ein kleines Sonnen-strählchen und Schauer. Nach kurzem Einrichten gleich zur Haltestelle und per Bus in die Innenstadt. Sonne scheint! Oper - muss man sich ansehen! 
Spätestens beim Betreten der Steinfläche vor der Oper fällt einem ein, was man besser dabeihätte: Sonnenbrille! 
Die Steinflächen hier sind schneeweiß! Bei mir geht nichts mehr! Jetzt ist klar warum hier ein fliegender Händler mit Klapptisch ein breites Sortiment dieser kleinen Helferlein anbietet. Nein! Ich habe ja eine - leider nicht hier... Also Augen zu halten und einäugig, durch ein mini-Guckloch die Oper umrundend, alles betrachten. Anstrengend! Innen kann man endlich wieder klar sehen. 
Nächster Tag: die Stadt und alle Museen die wir schaffen können! Besonders das Thor Heyerdahl Museum. Als Kind schon war das für mich faszinierend, ob als Buch oder Fernseh-Dokuserie. 
Am nächsten Tag geht‘s los und der entspricht dann endlich meinen Erwartungen: Dauerregen! 
Irgendwo Zelten wir. In den folgenden Tagen ist das Wetter zum Glück meist sehr gut und wir fahren bester Stimmung an der Küste hoch bis das Meer zu Ende ist. Mit der Geschwindigkeit haben es die Nordländer ja nicht so. Und das gefällt! 



So unglaublich ruhig, entspannt und unbedrängt wie hier fährt man sonst selten Motorrad ! 
Sehr angenehm! 
Wenn aber nicht Speed, dann muss was anderes her, denkt sich der Nordländer...  
Auffällig wundersam erschienen mir immer wieder diese Anhäufung von Beschleunigungsspuren irgendwo auf freier Strecke... Entspannt sitzen wir auf einer Parkbank in Umea. Die Sonne scheint, prachtvoll! Man hört ihn schon..erst kaum wahrnehmbar, dann deutlich tieffrequent blubbernd schiebt hier etwas heran...Dann plötzliches Reifenquietschen und martialisches Röhren eines Monster-Motors. Und dann sehen wir Ihn: Ford Mustang...die „Blechwerdung“ des amerikanischen Traumes...inzwischen wieder in Schleichfahrt...bis nach der nächsten verkehrsberuhigenden Schwelle das Spiel von neuem beginnt: Vollgas! Für 2 Sekunden... Nicht schnell also, sondern schnell beschleunigen lautet hier das Motto!
 

Ja, also ich finde es die sympathischere und intelligentere Form der Autoliebe... Aber ich liebe ja mein Moppet!
Weiter geht‘s. 
Dann..krass den Stachel gesetzt, weil...da isses! das erste Rentier! Fottooo!
In der Folge wurden es natürlich immer mehr, was dann schon dazu führte: Attung! (=Arm hoch) Rentiere von links...und von rechts...von vorn...wo ist die Strasse geblieben..?

Irgendwann sind wir in Finnland. Wir wissen: es gibt schnelle Finnen als Exportschlager! 
Die daheim gebliebenen jedoch scheinen am anderen Ende der Geschwindigkeitsskala ihre Befriedigung zu finden. „Slowmotion-rolling“! Aber: sehr sympathisch! 

Hier kommen neben Rentieren nun gehäuft noch andere Tiere ins Spiel, die wir eigentlich schon früher erwartet hätten. Als wir irgendwo vor einem Supermarkt anhalten um die Reserven aufzustocken: Die Frontpartie meines Moppets lebt! Da befindet sich eine schwarz-braune, sich in den letzten Zügen bewegende Schicht aus Mücken! Muss also der Mückengehalt in der Luft schlagartig gestiegen sein... 
Der Zeltaufbau wird dann in „Imker-Kleidung“ vollzogen. Wir haben sicherheitshalber vorab jeder ein Kopfnetz angeschafft! Noch Handschuhe an und: Alles kein Problem! Im Zelt sitzend, dachte ich dann es nieselt...nein, es waren die Mücken an der Zeltplane. Ok, heute also bleibt die Küche kalt...
Irgendwann sind wir dann wieder in Norwegen.
 Man merkt es auch an den Kaffeepreisen: hier an einem der Knotenpunkte Richtung Norden schmeckt der Kaffe zugegeben sehr gut, nötigt mir beim Begleichen der Rechnung aber auch ein neuerlich aufblitzendes Notfall-Szenario des Restbudgets ab! 7 Euronen umgerechnet- kleine Tasse und ein keksgroßer Kuchen! Holla! Ich gucke noch mal ob ich da nicht noch ein bisschen Milchschaum habe stehen lassen... Den Literpreis möcht ich gar nicht ausrechnen. 

Apropos Liter: So um 1,75 bis 2 Euro kostet der Liter Super in Norwegen. Richtung Nord immer leicht zunehmend. Tanken in SWE, FIN dagegen ist vom Niveau her ähnlich wie in Deutschland (Stand Juli 2011).
Auf in Richtung Nordkap! 
Das Garmin weiß inzwischen auch nicht mehr ob Tag oder Nacht ist. Alle paar Stunden „rotiert“ die Anzeige. Wir haben Glück mit dem Wetter! Kaum Verkehr und eine Landschaft im Sonnenlicht die Superstimmung aufkommen lässt! Immer öfter: Moment - ähh, lass mal kurz die Rentiere vorbei... Die letzten 250 km wird es immer karger und das Klima rauher. Die letzten Km bis zum Kap sind dann schon recht windig. 
Vor allem in den Kurven merkt man natürlich wie der Wind hier ständiges reagieren erfordert und die Schräglagen von Rechts- und Linkskurven nichts mehr miteinander zu tun haben. 
Dann das Kap! 
Obwohl uns einige Norweger und Schweden schon vorher gesagt haben: „this is a tourist trapp!“ 
Ich weiß das ab 01:30 eigentlich auch am Kap wieder das Jedermannsrecht „freigeschaltet wird“...also die Ab-kassiererei bis zum nächsten Morgen eine kurze Pause macht. 

Aber jetzt ist es Nachmittag, die Temperatur liegt bei molligen 3 Grad plus und weit und breit kein Strauch und Stein sowie eine stramme Brise. Hier wartest du nicht auf den Schalterschluss des Kassierers! Wir stellen erstmal ab und peilen die Lage. Kaum bewege ich mich ein paar Schritte nach Norden wird der Mann im Häuschen doch sehr unruhig! Da verstehen sie keinen Spaß, die Nordmänner! 
Schon bei der vorherigen Anfahrt ist so eine Spaßbremse integriert: Der Fjordtunnel! Da muss jeder durch. Und das Beste kommt zum Schluss: 
Auf der Rückfahrt noch mal zahlen!! Und zwar jeweils ca. 9 Euro für Mop.+Reiter! Dazu kommt nun der Nordkap-Eintritt von 31 Euro pro Kopf! Somit kostet das Kap Minimum ca. 50 Euro!! 
Aber na ja, es war ja erklärtes Ziel... Jetzt umdrehen und warten bis der Kronenkurs mal wieder im Keller ist?...neee! 
Drinnen ist alles als moderner Wohlfühlbereich ausgelegt. Wir geben mal wieder den obligaten Kaffee in Auftrag...macht jetzt auch schon nix mehr... 

So verweilen wir eine ganze Zeit am Kragen der Klippe und an der Kugel bis wir dann wieder soweit fahren, bis der Wind nicht mehr so stark ist, um ein Plätzchen für die Zelte zu finden. 
Da wir geländegängig sind, finden wir auch ein sehr schönes. 
Die Rentiere sind auch schon da - und bleiben auch, trotz uns und unseren „Böcken“.






Unser nächstes Ziel sind die Lofoten. 
Es soll Leute geben die haben sie nie gesehen obwohl sie da waren...wir hatten mal wieder Glück und bestes Wetter. Traumhafte Szenerie! Die Landschaft und das Licht - fantastisch! 
In Bodö, nach der Fähre, gehen wir das einzige mal auf der Reise in ein “Restaurant“. Pizza „all you can eat“ steht auf dem Programm. 
12 Euro Pauschal zuzügl. Getränk. 
Da wir inzwischen aber schon einen Schrumpfmagen haben, geht die Rechnung zugunsten der Lokalität aus! Nach 3 Slices macht der Körper einfach dicht! 
Andere scheinen da besser vorbereitet zu sein. Eine Gruppe Jugendlicher fällt über die Teile her wie ein Fliegenschwarm. Die Mädels vom Restaurant haben alle Hände voll zu tun um die Bleche immer wieder nachzufüllen.  Nach sorgsam eingepflegten Toilettengängen „der Ess-Gang“ wird weiter abgegriffen! Ich wähne mich im alten Rom... Mir drückt der Magen von unten auf die Augen als ich mich wieder auf den Bock schwinge... Torsten scheint es ebenso zu gehen. Er fährt erstmal falsch herum in die Einbahnstraße...! 

Weiter nach Süden... Salstraumen gucken. Die Szenerie ist kein „Brüller“ aber..ok. 
Torsten macht sich Sorgen über sein Kettenrad: „Kette essen Zähne auf“! 
Jeden Abend muss inzwischen die Kette gespannt werden. War zwar schon am Beginn der Reise augenfällig - aber, na ja. Er traut sich kaum noch richtig Gas zu geben und wenn ich in seiner Nähe fahre höre ich die Kette beim Lastwechsel schlagen. 
Also suchen wir per www und Telefon einen KTM-Händler. Begeisternd ist die Gewandtheit so gut wie aller „Einheimischen“ die wir auf dieser Reise getroffen haben. Sie sprechen fast immer gutes Englisch, manche sogar Deutsch und sind zurückhaltend aber offen und hilfsbereit! Absolut toll! 
So auch ein, vielleicht 15 jähriger Bursche in einem Motorrad/Skidoo Geschäft, der gerade allein ist, weil der Vater eine Erledigung machte. Mit perfektem Englisch und gezieltem Engagement (www/Tel) konnte er uns alles an Infos geben welche wir brauchten. 
Nach den Fahrten über die Hoch-“fjälls“ erreichten wir Tynset. 
Liegt leider „etwas ab vom Schuss“. In der Werkstatt konnten wir das vorab aus Oslo dorthin bestellte Kettenrad ruck-zuck ersetzen. Empfehlung, die Jungs sind auf Zack!! ( www.bil-mc.no/  Tel. 45 49 22 01 oder 91 39 64 20 aus Norwegen).

Weiter geht‘s nach Süden. Mit meiner Endurobrille Modell „Adlerblick“ sieht man zwar bei Sonne und Tageslicht gut, aber ich habe die Rechnung ohne die, in lockerer Folge zahlreich auftretenden, Tunnel gemacht! 
In einigen setzt nach 100 Metern Blindlug ein, da es hier drinnen so einen Temperaturunterschied zu draussen hat, das im wahrsten Sinne schlagartig die Brille beschlägt. Da das Licht schummrig und die Tunnelwände nah sind hilft hier nur: sofort Dauerwischen oder absetzen. Sonst verliert man das Gleichgewichtsgefühl weil die Augen keinen Punkt mehr fixieren können. Und die Röhren sind lang! Manche haben Rillen (auch längs!), Löcher und Nässe von oben und von unten und in der längsten Kombination , d.h. 2 Tunnel mit ein paar Hundert Metern Unterbrechung nur, waren es, glaube ich 18 km. 

Noch mal zum Nordkap Tunnel... Erstmal gehts darin stramm bergab ca. 10% - im Tunnel- und dann wieder ebenso bergauf, denn es geht unter‘m Fjord hindurch! Und da gibts Radfahrer! Ohne Radweg! Bei Schummerlicht! Da ich ja weiß was Radfahren ist, weiß ich auch das ich diese Sonderprüfung hier bitte nicht erleben würde wollen! Mir haben früher schon immer so kurze Tünnelchen wie  am Gardasee o.ä. gereicht! Ich bin kein Tunnelfan...
 

Was wir auch hatten: Am Ende eines solchen, Rentiere im (!) Tunnel. Das Wetter war ihnen wohl draussen zu schlecht... Und natürlich hatten sie mal wieder ihr Licht nicht an..

Das Wetter wurde von nun an wechselhaft. Damit meine ich nicht von Tag zu Tag..nein, das außerdem. Eher von Fjordspitze zum Fjordende und beim nächsten ebenso. 
Wenn du die schweren Woken im Rückspiegel und die Sonne im Gesicht hast und denkst: Gut so, unsere Richtung ist die Gute! Aber kaum 15 Km später fährst du wieder auf genau diese Wolken zu und das Gepladder beginnt erneut. 
In Sundalsöra sehen wir vermehrt Arbeiter die augenscheinlich nicht aus Norwegen stammen. Schnell ist klar warum. Hier steht Norsk Hydro, ein Aluminiumwerk. Klar, das macht ja auch Sinn! 
Energie in Form von Wasserkraft haben die Norweger in rauen Mengen. Genau wie Erdöl und Erdgas. Hier hat jeder Bürger beim Staat virtuell was auf der „hohen Kante“ im Gegensatz zu den allermeisten Staaten dieser Erde. Norweger verdienen (meistens) mehr als Zentraleuropäer. Wobei nach Aussage einiger Norweger so manche es nicht leicht haben. 
Apropos Geld und Einkaufen: Du brauchst keinen Wagen nehmen! Auch keinen Korb...das was du in der Hand tragen kannst wird dein Tagesbudget locker ausreizen!
Ein Supermarkt-Einkauf in der Kategorie „Bückware“ kann sich hier anfühlen wie der Einkauf bei uns im Bioladen zum Quadrat!  JA - Norwegen eben..das Dubai Europas... Da gehst du dann raus mit umgerechnet 15 euro weniger und n‘em weißen Lappen Brot, 1 Apfel, 1 Banane, 150g abgepackter Käse, 1 Liter Orangensaft und vielleicht noch 1 Schokolädchen...

Auf dem Campingplatz in Andalsnes lernen wir Miquel Silvestre kennen ( www.miquelsilvestre.com ). 
Ein netter Typ! Er ist voll gesponsert und macht eine kleine Vorbereitungstour auf seine bald startende Weltreise. 
In Spanien ist er wohl recht bekannt. Da aber der Großteil seiner website auf spanisch ist, ist das ein Ausschluss-kriterium für viele, die der Sprache nicht mächtig sind. Bis um 24 Uhr sitzen wir bei einem Bier auf der Terasse und blicken auf ein minütlich sich änderndes Wolkenspiel Richtung Trollstiegen. Angst hat er nicht vor der Weltreise - sondern vor der Rückkehr...
Die nächsten Etappen führen uns über den Trollstiegen Richtung Geirangerfjord. Der Verkehr wird dichter und im Ort selbst ist die Durchgangsstrasse nur noch einspurig befahrbar da so viele Touristen zu Fuß unterwegs sind. 
Wir sind froh als wir die Einsamkeit wiederfinden. 
Obwohl wir einige male Landesgrenzen überschritten haben, scheint allen Menschen hier folgende Handlung eine Selbstverständlichkeit: An der Tankstelle wird ausgestiegen, der Becher aus dem Auto gekramt, in die Tank-Boutique zum immer vorhandenen Kaffe-Automaten gegangen, um diesen um eine große Portion zu erleichtern. 
Dann aber folgt nicht etwa der Gang zum Kassierer. Nein, ohne ein Anzeichen von Reue geht‘s wieder zum Auto und ab! 
Bis dieser Handlungsgang so richtig in meiner Wahrnehmung angekommen ist, war es allerdings schon fast zu spät. 
Erst zum Ende der Reise setzte sich die Erkenntnis durch das man eben seine Tasse dabei hat und zum „Tanken“ fährt, kostenlos versteht sich! Vor meinen Augen sehe ich kurz diese, mit Goldtalern gefüllte Badewanne eines gewissen Enterichs, und mich darin eintauchen... Gefühlt das wäre alles noch mein, wenn, ja wenn wir das früher gespannt hätten! 
Tassen hätten wir schon gehabt... bei täglich 4 x Kaffeetrinken a 2-3 Euro und bisher 3 Wochen Reisezeit kommt da schon was zusammen... 

Auf irgendeinem Campingplatz machen wir mal wieder einen Pausetag mit Wäsche waschen etc. Superwetter! Bank und Tisch haben wir uns vom Kinderspielplatz ausgeliehen...Hier sind wir in die Hochburg der Fliegenfischer geraten. Sehr interessant! Am nahen Fluss können wir die Technik des Angelns beobachten. 

Die Profis sitzen den ganzen Tag seelenruhig vor ihrer gemieteten Hütte, manche machen auch eine „Bierkur“, um den Strapazen gewachsen zu sein. Wenn ein Hauch von Dämmerung beginnt (ca.21:30) werden sie aktiv. Denn dann kommen die Mücken und die Fische machen Jagd auf eben diese. Und da fällt dem Fisch eben eine falsche nicht so schnell auf und schon hängt er am Haken...
Abends rollt dann eine Harley auf den Platz. 
Ein Norweger, dem Alter nach hat er wohl die 68er noch aktiv mit gestaltet, steigt leicht zitternd vom Bock. Wir grüßen ihn und er erzählt das er heute 600 km getuckert ist, von wo nach wo usw. Sehr netter Typ. Er baut sein Zelt gleich bei den unsrigen auf. Seine Ernährung besteht aus Cola, ausschließlich... Irgendwann hat er sich dann ins Zelt verkrochen. Hier geht man eben schlafen „wenn‘s geht“, nicht nach dem Tageslicht, denn das ist ja immer auf „on“. 
Irgendwann sind auch wir „bett-fein“. Auf dem Campingplatz schlafe ich meistens mit Ohrstöpseln, da hier doch eigentlich immer was los ist. 
Ich schlafe tief und fest als ich durch einen ersten „lauten Wind“ unseres neuen Zeltnachbarn wohl etwas leichtschläfriger werde. 
Kurz darauf folgt die 2. Salve. Die 3. reißt mich gänzlich aus dem Schlaf zumal ich nun von nebenan eigentlich hecktische Reißverschlußgeräusche erwarte. Zumindest der Akustik nach war Eile geboten... Aber: nichts! Ruhe! Ich war wach...also geh ich mal Pinkeln... 
Ich entledige mich der Ohrstöpsel, arbeite mich aus dem Zelt, und 2 Augenpaare fixieren mich genüsslich: Unser Fliegenfischer-Team! Gerade mal 5 Meter entfernt, bereiten sie sich gerade auf die „Ablösung“ vor. Vater kommt und Sohn geht zum Fluss! Es ist 3 Uhr „Nachts“. Es ist Mucksmäuschenstill auf dem Platz...
Erst am nächsten Morgen kommt mir in den Sinn, das die Logik gebietet, das ich der Ruhestörer gewesen sein muss..da ich ja aus dem Zelt kam, ...ahh nee!

Neuer Tag - neues Glück: Norwegen hat, je weiter im Süden nun doch nur spärlich freie Jedermann-Schlafplätze zu bieten. So muß mal wieder ein Campingplatz herhalten. Die Preisgestaltung stößt mir hier allerdings schon zum wiederholten male derb auf! So um 30 Euro pro Person und Zelt ist man dabei. Aber es geht noch besser! Camping ist voll, kein Problem, wir haben noch Plätze direkt am Ufer. Ausserhalb des Platzes. 
Der Grünstreifen zwischen Strasse und See ist akzeptabel, allerdings öffentlich zugänglich und hat mit dem Platz eher wenig zu tun. Trotzdem: Voller Preis! Freunde das merk ich mir! Bei der nächsten Reise läuft das anders... Hier treffen wir Gerd! Er macht mit seiner BMW mal quer durch Europa für einige Monate. Mit ganzem Herzen! Schön! (www.xeurope.de) 

Auch dem südlichsten Punkt Norwegens, dem Leuchtturm in Adensnes,  statten wir noch einen Besuch ab bevor wir dann Richtung Kristiansand die Fähre ansteuern. 
Nach der Fähre noch ein bisschen Dänemark und dann wieder Eintritt in die Republik... 
Pünktlich zum Einlauf gibt‘s auch fast denselben. Regen ohne Ende, wieder alles voll mit Autos die sich selbst im Weg stehen. 
Agressive Fahrer, alles wie gehabt. 
Allerspätestens als mich dann auf einem 2-spurigen Abschnitt, als es mal wieder freie Bahn gibt, im  strömenden Regen einer versucht abzudrängen, sodass ich bremsen und auf den Seitenstreifen ausweichen muss, weiß ich: Hier komm ich her und ich schäme mich sehr, hier bin ich „zu Hause“... 
Es muss einer von den Autofahrern gewesen sein, den ich aufgrund meines einspurigen Fahrzeugs problemlos beim endlosen Stau um Gesthacht „überholen“ konnte. 

Wieder zuhause sind knapp 4 Wochen und 7000Km vergangen -viel zu schnell...ich könnte immer weiter fahren...die nächste Reise ist schon angetreten..im Kopf...





Zusammenfassend:

Was würde ich wieder machen?: 

Losfahren!
Jeden Tag Zelten



Was würde ich anders machen?:

-Kleine Stirnlampe reicht ;-)
-Sonnenbrille für die Oper nicht vergessen
-vielleicht doch die „17“ fahren obwohl es regnet
-Beim ersten Rentier nicht mehr Fotografieren...
-Ums verrecken in Norwegen öfter einen 
 „Jedermann“ Schlafplatz suchen & finden, 
 ausser der Platz ist günstig (und das ist selten...)
-Das Nordkap bei schönem Wetter um 02 Uhr Nachts aufsuchen







http://www.bil-mc.nohttp://www.miquelsilvestre.com/http://www.xeurope.deshapeimage_6_link_0shapeimage_6_link_1shapeimage_6_link_2
Slideshow Nordkap